(Bozen)
Greta Mentzel & Heinz Mader
FREE TRANSIT, 2023
Eine Recherche über die Mörtelwespe und Transit
Heinz Mader hat durch Zufall etwas entdeckt, das ihn wegen seiner wunderschönen Form motiviert hat, näher hinzusehen. Ein kleines Gehäuse aus Lehm, von zirka zwei bis drei Zentimetern Länge, und mit einem runden Loch als Eingang. Es ist ein Lehmtönnchen, ein Brutkasten mit Nahrung, Kokon der orientalischen Mörtelwespe, Sceliphron curvatum, einer Wespe mit Migrationshintergrund: Nordwest Indien, Nepal, Kaschmir, Kirgisien, Afghanistan. Solitär und staatenlos wurde sie 1979 erstmals in Europa nachgewiesen und sie lebt dort ohne andere Arten zu gefährden.
Ein Beispiel für erfolgreiche Migration? Fürsorge, Emanzipation, Gastfreundschaft, Migration, Entpuppung, Identität – Themen, die Greta Mentzel und Heinz Mader zu einer Recherche anregten, jedoch nicht vor Ort in Pakistan oder Nepal, sondern in den Köpfen verschiedener Menschen. Zu den Fragen und Erzählungen aus den Gesprächen sind Zeichnungen, ein Film, ein Plakat und Performances entstanden. Es ist etwas in Bewegung geraten.
Caterina Laruccia – selbst eine „Mörtelwespe“ – zeichnete und wurde Protagonistin im Film. Nicht nur alles, was fliegt, wie Flugobst, spielt im Film eine Rolle. Sondern auch, was es heißt, als Frau zu migrieren, Bilder zu finden für den Zustand, im Nirgendwo zu existieren, sich zu „entpuppen“, sich anzusiedeln, zu leben und zu sterben. „Sie waren vor uns da und werden uns überleben. Sie begleiten uns seit Menschengedenken, so nah und alltäglich wie keine anderen Lebewesen“, zitiert das Plakat von Heinz Mader den Anthropologen Hugh Raffles. Am Ende des Films ist der Satz zu hören: „Eine Bekämpfung ist nicht nötig. Sie sollten sie nicht loswerden.“
Drei Insektenmasken wurden produziert, Schicht für Schicht wie die Lehmtönnchen und genauso exotisch wie die Mörtelwespe, die jede*r sein kann.
Greta Mentzel