(Bozen - Amsterdam)
Andreas Trenker und Giulia Faccin
Andreas Trenker und Giulia Faccin sind kürzlich von ihrer Forschungsreise nach Eritrea zurückgekehrt, wo sie die Zusammenhänge der kolonialen Vergangenheit Italiens ergründeten.
Das Projekt hat als Ausgangspunkt die Toponomastik und Stadtplanung, die in den Städten Asmara (Eritrea) und Bozen während der Zeit der faschistischen Präsenz auf den jeweiligen Territorien stattgefunden hat. So wie in Bozen noch immer Straßen mit deutlichen Bezügen zur kolonialen Vergangenheit zu finden sind (die Via Amba Alagi ist ein Beispiel dafür), so gab es in der eritreischen Hauptstadt Asmara ebenso viele Örtlichkeiten, deren Name die Verbindung zum italienischen Staat hervorhoben. Letztere haben sich je nach den nachfolgenden Regierungen geändert, während sie in Italien unverändert fortbestehen. Trotz der physischen Präsenz dieser historischen Verbindung scheint das kollektive italienische Gedächtnis die koloniale Vergangenheit verdrängt zu haben. In Eritrea ist diese Erinnerung jedoch sehr lebendig und spürbar. Die italienische Präsenz beschränkt sich nicht nur auf die Architektur, sondern ist in verschiedenen Aspekten des Alltagslebens, wie Essen, Sprache, Bräuche und Kultur, immer noch präsent. Auch wenn die Geschichtlichkeit der Ereignisse Parallelen zwischen den beiden Realitäten (in Südtirol und Eritrea) nahe legen könnte, muss betont werden, dass es naiv und oberflächlich wäre, gemeinsame Schlussfolgerungen zu ziehen.
Die Forschung vor Ort beruhte auf Begegnungen und direkten Erfahrungen, mit dem Ziel, ein undurchsichtiges Kapitel der italienischen Geschichte zu öffnen und so einen Dialog über die koloniale Vergangenheit, eine Reflexion über ihre Auswirkungen in der Gegenwart und eine Einladung, sich die Zukunft vorzustellen, anzuregen. Die Besuche im Technischen Büro von Asmara und die zahlreichen Interaktionen mit der lokalen Bevölkerung haben dazu beigetragen, den menschliche Komponente gegenüber der architektonischen zu bekräftigen.
Das Abschlussprojekt hat als Ziel, diese Erfahrungen in Form einer multimedialen Aufbereitung zugänglich zu machen und sie sowohl online als auch im Kontext einer öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Publikum zur Verfügung zu stellen.
Text: Andreas Trenker